Sonntagsarbeit als Risikofaktor

Allianz für den freien Sonntag legt Augenmerk auf Gesundheitsschutz

gesonntheit1HPDer Trend zur 24-Stunden-Gesellschaft hat ihren Preis. Dass Sonntagsarbeit der körperlichen und seelischen Gesundheit schade, betonte Dr. Michael Vollmer, Arbeitsmediziner und Präses der Dekanatssynode Vorderer Odenwald, bei der Diskussionsveranstaltung „GeSonntheit“ am Mittwochabend (28. Januar) im Offenen Haus in Darmstadt.

„Sonntagsarbeit kann ein Risikofaktor für die Gesundheit sein“, sagte Vollmer. Studien belegten, dass Beschäftigte, die mindestens einen Sonntag im Monat arbeiten müssen, häufiger Gesundheitsprobleme hätten als der Durchschnitt aller Befragten. „Der Trend des permanenten Arbeitenmüssens hat Folgen für die Gesundheit und belastet Familien“, sagte Vollmer.
Unter dem Titel „GeSonntheit“ hatte die Allianz für den freien Sonntag Starkenburg eingeladen, zu deren Gründungsmitgliedern die evangelischen und katholischen Dekanate in der Region sowie die Gewerkschaft Ver.di gehören, um sich mit dem Schwerpunkt Gesundheitsschutz zu beschäftigen. Ein gemeinsamer freier Sonntag sei die Zeit für gesundheitsfördernde und sportliche Aktivitäten, so Vollmer. Ein befragter Arbeiter bringe es auf den Punkt: „Ein freier Mittwoch ist kein freier Sonntag.“

Der arbeitsfreie Sonntag stelle zudem eine durch Tradition und Religion normierte Struktur der Woche dar. Regelmäßige Unterbrechung der Arbeit, Ruhe und  gemeinsame Zeit für Beziehungspflege seien für die seelische Gesundheit unerlässlich.

Horst Gobrecht, Gewerkschaftssekretär von ver.di, beklagte die „Hyperflexibilisierung der Arbeitszeit“. Ein hoher Krankenstand sei die Folge. Die Aufgabe der Allianz sehe er darin, „alle Register zu ziehen, um Sonntagsarbeit zu reduzieren“. Aktuell haben ver.di und das Evangelische Dekanat Darmstadt-Land im Namen der Allianz Widerspruch gegen die Allgemeinverfügung der Stadt Weiterstadt eingelegt, am 22. März anlässlich der „Weiterstädter Automobilausstellung“ einen verkaufsoffenen Sonntag zuzulassen.

RezeptneuHPIngrid Reidt von der Betriebsseelsorge im Bistum Mainz sprach die permanente Arbeitsbelastung auch durch globale Prozesse an. Da müsse man schon einmal nachts um zwei Uhr mit Amerika telefonieren. Zugunsten der Kundenorientierung sei eine „totale Abschaffung der eigenen Befindlichkeit“ im Gange. Immer mehr wollten einen Ausgleich von Überstunden nicht durch Geld, sondern durch Zeit, so die katholische Theologin. Menschen würden zunehmend krank in einer Gesellschaft, die sich rund um die Uhr nach wirtschaftlichen Interessen ausrichte. Die Allianz für den freien Sonntag müsse sich „gegen eine krank machende Gesellschaft wehren“.

In der anschließenden Diskussion plädierte Ulrike Schmidt-Hesse, Dekanin des gastgebenden Dekanats Darmstadt-Stadt, für eine Sonntagskultur. Die Kirchen sollten neben dem Gottesdienst Alternativen für die Gestaltung des Sonntags aufzeigen und anbieten. Michael Vollmer verwies auf den Verfassungsrang des Sonntagsschutzes. Der Sonntag sei ein zu schützendes Kulturgut, das der Gesundheit diene. Die Allianz klage den Schutz des Sonntags ein, weil er gesetzlich geschützt sei, sagte auch Ingrid Reidt. Der Sonntag ist der „Tag der seelischen und körperlichen Erbauung“, so die Theologin, „die Politik muss dafür sorgen, dass das für alle gilt.“

Zum Schluss gab es für die Gäste im Offenen Haus noch etwas zum Mitnehmen: ein Rezept, das die Sonntagsruhe verschreibt, und ein Tütchen Trockenfrüchte, um den Sonntag gesund zu versüßen.

Text: Rebecca Keller, Fotos: Bernhard Bergmann/Silke Rummel